Ermutigungen für die Corona-Auszeit (Teil 10)

Nun hat es mich erwischt. Mehr als zwei Wochen bin ich schon kraftlos und erschöpft. Die Temperatur ist erhöht. Ansteckungsgefahr besteht. Doch darf man eigentlich krank sein? Darf es im Leben auch Tage der Schwäche geben? In einer leistungsorientierten Gesellschaft scheint dies ein Problem zu sein. Wer nichts leistet, der ist für viele nichts wert. Paulus überrascht. Auch er hatte mit einer nicht geringen körperlichen Schwäche zu kämpfen. Er flehte Gott immer wieder um Gnade an. Dennoch musste er damit weiterleben. Doch er bleibt guten Mutes. Er schreibt (2.Korinther 12,9):

„Ich will mich am allerliebsten rühmen meiner Schwachheit, damit die Kraft Gottes bei mir wohne.“

Das passt nicht in unsere Leistungsgesellschaft hinein. Wie kann man nur offen zu seinen Schwächen stehen? Paulus hat begriffen, dass der Wert eines Menschen nicht von seiner Leistung abhängt. Auch was andere Menschen über uns denken, ist belanglos. Weil jeder Mensch ein wunderbares Geschöpf Gottes ist, ist ausnahmslos jeder wertvoll. Das muss nicht erst erarbeitet werden. Darüber hinaus weiß Paulus um ein Geheimnis, was einen Menschen wirklich stark macht: Es ist Gottes Kraft. Sonst nichts. Unser größtes Problem ist oft der eigene Stolz. Wir wollen selbst stark sein, um uns anschließend mit unserer eigenen Leistung zu rühmen. Doch damit bleiben unser Möglichkeiten im Leben auf unsere dürftigen, menschlichen Fähigkeiten begrenzt. Wo wir aber Gott in unserem Leben wirken lassen, kann Gott ungeahnte Dinge in unserem Leben möglich machen. Schwach zu sein ist damit kein Mangel. Vielmehr hilft es, sich neu und bewusst auf Gott und seine Kraft auszurichten. Wo Gott in einem noch so schwachen Menschen wirken darf, da beginnt er unvorstellbar große Dinge zu wirken. So kann auch ich getrost krank und schwach sein. Gott führt sein Werk fort, auch wenn ich nicht wie gewohnt einsatzfähig bin. So bin ich stark, auch wenn ich gerade schwach bin.

Pastor Heiko van Dühren